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Erfolgsgeschichten



The Guardian: Wie Bayern zu einer silicon valley geworden ist


Schuhplattler
The Guardian - Joerg Koch/AFP/Getty Images

Übersetzte Auszüge aus einem Artikel von Julia Kollewe, The Guardian, 15. März 2011

Der Freistaat Bayern beherbergt hunderte von Biotech-, IT- und Umwelttechnik- Unternehmen, die sich in den letzten 20 Jahren entwickelt haben.

Der Freistaat Bayern ruft zum Teil immer noch Bilder von rauflustigen Bierzelten, Blaskapellen und rotbackigen Menschen in Dirndl und Lederhosen hervor, aber die Landeshauptstadt München entwickelt sich zur deutschen Antwort auf das Silicon Valley. Der deutsche Südstaat, der zusammen mit seinem Nachbarn Baden-Württemberg der wohlhabendste des Landes ist, hat hart gekämpft um sein zugeknöpftes Image loszuwerden. Die historisch gesehen landwirtschaftlich geprägte Region, der es an natürlichen Ressourcen mangelt, hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer stärker auf High-Tech ausgerichteten Wirtschaft gewandelt.

Das bedeutet nicht, dass die Bayern ihre Traditionen aufgegeben haben. Michael Hinterdobler, Leiter des Bereichs Europapolitik und internationale Beziehungen in der Bayerischen Staatskanzlei, ist der Meinung, dass beide Seiten Bayerns gedeihen. „Es gab eine Rennaissance. Die jungen Leute sind mit ihrem iPod unterwegs, haben aber auch ihr Dirndl zu Hause. Das ist kein Wiederspruch mehr.“

Das Nachkriegsbayern hat von der amerikanischen Besatzung profitiert und Unternehmen wie Siemens haben ihre Standorte von Berlin nach München verlegt. Das Gebiet um die Landeshauptstadt, das ein Drittel von Bayerns gesamten Produktionsmenge stellt, ist die Heimat von Schwergewichten wie BMW und MAN, aber auch von Hunderten von kleineren Unternehmen aus dem Biotech-, IT- und Umwelttechnikbereich, die sich in den letzten paar Jahrzehnten entwickelt haben, ebenso wie 550 US-amerikanische IT-Firmen. (...)

Es ist nicht immer alles glatt gelaufen. Nachdem sich München in der Nachkriegszeit einen Namen für Elektronik und fortgeschrittene Fertigungstechnologie gemacht hat, sah es Mitte der 90er seine wettbewerbsfähige Position bedroht. Der Bayerische Staat eilte zur Hilfe, indem er Aktien im Wert von 2,9 Milliarden Euro teilprivatisierter Energie- und Infrastrukturunternehmen verkauft hat und den Großteil des Erlöses in Initiativen gepumpt hat, welche die High-Tech-Industrie fördern.

Ein Faktor des Erfolgs der Region Bayerns ist ein eng gewebtes Netzwerk von 13 Universitäten und einer Fülle von öffentlichen Forschungsorganisationen wie Fraunhofer und Max-Planck. Akademiker der London School of Economics loben München als Modell einer „institutionellen Mächtigkeit“. “Die Universitäten, technische Hochschulen und  Fachhochschulen wurden finanziell gut ausgestattet, es gab immer schon ein Netzwerk“, meint Martin Zeil, stv. Ministerpräsident und Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, „Es ist dieses Netzwerk, das ausländische Investoren anzieht.“

In und um München arbeiten mehr als 55.000 Menschen in der Forschung und Entwicklung. Über zwei Jahrzehnte lang hatte München durch seine Bevölkerung Deutschlands höchsten Anteil an Technologiepatenten.

Max Nathan, ein Forschungsstipendiat der LSE Cities, ist Co-Autor eines Essays über München, das letzten Dezember veröffentlicht wurde. Er hat mehrere Parallelen zwischen München und der Region California Bay herum gefunden.  "In den letzten sechzig Jahren haben sich beide Regionen von einer agrargeprägten Wirtschaft zu einem High-Tech Zentrum entwickelt. Beide bieten eine starke Wirtschaftslage sowie exzellente Lebensbedingungen, was Leute in der jeweiligen Region beibehält."

Mehr: The Guardian.co.uk